1000 Kilometer entfernt von zu Hause
Pressemitteilung

1000 Kilometer entfernt von zu Hause

Kipfenberg

Vor drei Wochen setzten sich Réka (22), Tünde (22) und Biborka (22) in Debrecen in den Zug und fuhren über 1000 Kilometer von Ungarn nach Deutschland. 1000 Kilometer für ein Praktikum als angehende Krankenschwester. Alle drei hatten ein klares Ziel im Gepäck: Sie wollten möglichst viel lernen und später eventuell im Ausland arbeiten.

Vor drei Wochen setzten sich Réka (22), Tünde (22) und Biborka (22) in Debrecen in den Zug und fuhren über 1000 Kilometer von Ungarn nach Deutschland. 1000 Kilometer für ein Praktikum als angehende Krankenschwester. Alle drei hatten ein klares Ziel im Gepäck: Sie wollten möglichst viel lernen und später eventuell im Ausland arbeiten.


Die 22-Jährigen studieren derzeit an der Universität von Debrecen in der Krankenpflege. In Ungarn gibt es zwei Ausbildungswege, eine dreijährige Lehre ähnlich die der deutschen und ein vierjähriges Universitätsstudium. Praxiserfahrung sammeln die Studierenden in kooperierenden Kliniken. Diese Einsätze sind über eine Art Praktika organisiert.

Die Helios Klinik Kipfenberg bietet den ungarischen Studierenden heuer erstmals einen Einsatz in der neurologischen Rehabilitation an. Ein interessantes Angebot, weil es nur wenige vergleichbare Einrichtungen in Ungarn gibt, doch auch die Klinik erhofft sich Vorteile. "Durch die Kooperation mit der ungarischen Uni bekommen wir neue Impulse, vor allem weil wir uns hier in Deutschland immer stärker in Richtung Akademisierung der Pflege bewegen", sagt Norbert Miklitza, Pflegedirektor der Helios Klinik Kipfenberg.


Gerade die großen Unterschiede beider Systeme böten Potenziale. "Die Situation in ungarischen Krankenhäusern ist eher schwierig, sehr wenige Schwestern versorgen viele Patienten und haben nur wenig Material zur Verfügung", erklärt Tünde Kálmán, Studentin der Universität von Debrecen. Ungarische Krankenschwestern lernen früh mit dem Mangel zu arbeiten. Die Fülle an Verbänden, Spritzen und Medikamenten, die in der Helios Klinik Kipfenberg tagtäglich verwendet wird, erscheint ihnen fast verschwenderisch. "Solche Gedanken nehmen wir ernst, ein kritischer Blick auf unsere Routinen eröffnet uns im besten Fall Verbesserungspotenziale", sagt Miklitza.


Jetzt sind die drei Wochen des Praktikums vorbei und die Studentinnen ziehen für sich eine positive Bilanz. "Ich nehme alles mit, die Erfahrungen mit den Kollegen, die speziellen Techniken, die ich über die Mobilisation gelernt habe und die nützlichen Hilfsmittel", sagt Biborka Katalin Tóth. Der Rucksack an Wissen ist vollgepackt, genau wie es sich die drei zu Beginn ihrer Reise vorgenommen hatten.

Ein externer Blick auf die Abläufe zeigt auch die Stärken. "In Deutschland gibt es für Patienten nach einem Schlaganfall oder einer Schädel-Hirnverletzung so viele spezielle Rehakliniken. In Ungarn werden solche Patienten meist in einer normalen Klinik oder in einem Altersheim betreut", sagt Réka Orosz, ebenfalls Studentin aus Debrecen. Der Vorteil liege in der Spezialisierung, in solchen Rehakliniken arbeiten speziell geschulte Mitarbeiter, die sich auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Patienten spezialisiert haben. Überrascht habe sie auch die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Therapie und Pflege. Durch den starken Teamgedanken hätten die Patienten ihrer Meinung nach die besten Bedingungen für die Genesung.