Reha-Ziele übertroffen

Reha-Ziele übertroffen

Für die fünfjährige Lara wurde ein Ausflug nach Hamburg zum Alptraum. Beim Spielen geriet sie nah an das Hafenbecken, verlor das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser.

Trotz sofortiger Rettungsversuche konnte Lara erst nach rund 30 Minuten geborgen werden. Sie erlitt eine Hypothermie, ihre Körpertemperatur sank auf 24 Grad Celsius. Die Notärzte vor Ort leiteten umgehend Reanimationsmaßnahmen ein. Nach der Defibrillation und anhaltendem Kammerflimmern wurde die Fünfjährige in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zur Erwärmung an die Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Im Schädel-CT waren Zeichen eines hypoxischen Hirnschadens nachweisbar. Nach dem Ausschleichen der Sedativa zeigte sich eine schwer eingeschränkte Bewusstseinslage. Im MRT war eine beginnende globale Hirnvolumenminderung erkennbar.

Appalisches Durchgangssyndrom

Nach dem Aufenthalt in der Hamburger Akutklinik kommt Lara zur neurologischen Rehabilitation in die VAMED Klinik Hattingen. Eine Kontaktaufnahme mit dem Kind mit einem appalischen Durchgangssyndrom ist nicht möglich. Lara liegt im Bett und bewegt ihre Arme und Beine völlig ungezielt. Die Muskeldehnungsreflexe sind schwer zu beurteilen, da sich die Fünfjährige in einem pausenlosen Unruhezustand befindet. Schluckreflexe sind vorhanden, aber Lara wird noch mit einer Nasen-Magensonde ernährt. Sie ist stuhl- und harninkontinent.

Bereits die ersten Therapiemaßnahmen im Kinderund Jugendhaus der neurologischen und neurochirurgischen Reha-Klinik mit Massagen, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sowie heilpädagogischer Unterstützung zeigen Erfolge. Nach wenigen Tagen reagiert Lara auf ihre Umgebung, tritt in Kontakt mit Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, Therapeuten und Ärzten auf der Station 4a. Sie macht Fortschritte, an die ihre Eltern und die Ärzte der Klinik so schnell nicht geglaubt hätten. Lautete ein Therapieziel, Lara in den Rollstuhl zu mobilisieren, so kann die Fünfjährige diesen nach drei Wochen verlassen, da sie auf eigenen Beinen steht. Erfolge, die selbst in einer auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Klinik wie Hattingen nach einer schweren Hypothermie nicht alltäglich sind. „Ihr starker Wille ist sicher ein Grund für diese Fortschritte“, sagt Stationsarzt Andreas Remmel-Spornhauer.

Eigenständige Toilettengänge und die selbstständige Aufnahme von flüssiger und fester Nahrung gehen mit den raschen Therapieerfolgen einher. Kontinuierlich wird Laras Therapieplan ihren schnellen Fortschritten angepasst. Dabei ist sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ständig umsorgt, da die Eltern berufsbedingt nur am Wochenende bei ihrer Tochter seien können.

Kognitive Fähigkeiten

Nach diesen Erfolgen liegt der Schwerpunkt der weiteren Therapien auf der Stärkung der kognitiven Fähigkeiten. Lara erhält Garten-, Musik- und Kunsttherapie in der Gruppe. Regelmäßig nimmt sie am Kinderschwimmen teil, an das Erlebte in Hamburg hat sie scheinbar keine Erinnerungen. Ihr Gang ist manchmal noch unsicher, daher trainiert sie das Laufen im Lokomat. Mittlerweile kümmern sich Neuropsychologen der Klinik um ihre kognitiven Fähigkeiten, versuchen die Aufmerksamkeit zu fördern. Lara ist noch motorisch unruhig und leidet unter Konzentrationsstörungen.

Für die neurologische Reha in der VAMED Klinik Hattingen wurde ein halbes Jahr eingeplant. Stationsarzt Andreas Remmel-Spornhauer geht davon aus, dass Lara bereits nach drei Monaten in die häusliche Umgebung der Eltern entlassen wird und ambulante Therapien erhält.

Funktionsstörungen und Reha-Ziele

Funktionsstörungen

  • Unruhezustände
  • Notwendigkeit der Hilfestellung bei der Körperpflege
  • Langzeitige Abhängigkeit vom Rollstuhl
  • Neurogene Schluckstörung
  • Hypothermie (initiale Temperatur: 24 Grad Celsius)
  • Globale Aphasie

Ziele der neurologischen Reha

  • Reduzierung der sedierenden Medikamente
  • Verbesserung der Wahrnehmung
  • Erreichen von Ruhephasen
  • Herstellung des Tag-Nacht-Rhythmus
  • Rollstuhlmobilisierung